Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) haben sich mit einer umfangreichen regionalen Stichprobe an der bundesweiten Studie "Mobilität in Deutschland 2023" (MiD) beteiligt. Die Untersuchung liefert ein aktuelles und differenziertes Bild der Alltagsmobilität im MVV-Gebiet und in der Landeshauptstadt München.
Einige Studienergebnisse:
Modal Split: Umweltverbund gewinnt, Autonutzung sinkt
Als Modal Split werden die prozentualen Anteile der Verkehrsmittel an allen Wegen (Weg meint eine einfache Strecke unabhängig von deren Entfernung) der Bevölkerung. Der Modal Split für 2023 zeigt, dass obwohl der Pkw-Besitz in München und im Umland insgesamt weiter angestiegen ist, der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) an den Wegen im MVV-Gebiet von 46 auf 41 Prozent gesunken ist.
Gleichzeitig sind mit 60 Prozent deutlich mehr Wege mit dem Umweltverbund (Öffentlicher Personennahverkehr, Rad- und Fußverkehr) zurückgelegt worden als noch 2017 (54 Prozent). Besonders zugenommen haben die Anteile der Fußwege und der öffentlichen Verkehrsmittel, während in der Studie der erhobenen Radverkehr stabil blieb. Damit gleicht sich die geringere Nutzung des Öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV) während der Pandemie wieder aus. Laut Studienergebnis liegt der ÖPNV-Anteil unter anderem in Folge der Einführung des Deutschlandtickets schon im ersten Jahr nach der Einführung über dem Anteil vor der Pandemie. Der Anteil der Einwohner*innen, die 2023 ein Deutschlandticket nutzten, lag in München mit 40 Prozent doppelt so hoch wie im Umland und damit deutlich über dem Bundesschnitt von 16 Prozent.
Einwohner*innen im MVV-Gebiet weniger unterwegs auf kürzeren Strecken
Im Jahr 2023 haben die Einwohner*innen im MVV-Gebiet täglich durchschnittlich rund 8,9 Millionen Wege zurückgelegt - 2017 waren es noch 9,4 Millionen. Die durchschnittliche Tagesstrecke pro Person ist von 42 auf 35 Kilometer, die Wegezahl pro Person von 3,2 auf 2,9 pro Tag gesunken. Auch der Anteil der Menschen, die an einem durchschnittlichen Tag unterwegs waren, ist von 88 auf 84 Prozent gesunken. Diese Entwicklung entspricht dem bundesweiten Trend und ist laut Studie auf Faktoren wie Homeoffice und veränderte Mobilitätsgewohnheiten, insbesondere als Nachwirkung der Corona-Pandemie, zurückzuführen.
Mehr Wege in der Freizeit
Die Analyse der Wegezwecke zeigt eine relativ stabile Alltagsmobilität der Bewohner*innen des MVV-Gebiets im Vergleich von 2023 zu 2017. Die größten Veränderungen zeigen sich im Freizeitverkehr: Der Anteil der Wege zur Freizeitzwecken hat von 29 Prozent 2017 auf aktuell 32 Prozent zugenommen. Auch bei den zurückgelegten Kilometern zeigt sich dieser Trend: Der Anteil der Freizeitwege an der gesamten Verkehrsleistung ist von 39 auf 44 Prozent gestiegen. Die Ergebnisse zeigen, dass Einwohner*innen im MVV-Gebiet in hohem Umfang für Freizeit und Erholung mobil sind. Klassische Arbeitswege verlieren durch Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle etwas an Bedeutung.
Deutschlandticket und Sharing-Angebote als Impulsgeber
Das Deutschlandticket erweist sich den Befragungsergebnissen zufolge als ein wichtiger Anreiz, den ÖPNV zu nutzen: 30 Prozent der Menschen im MVV-Gebiet hatten 2023 ein entsprechendes Abonnement, besonders hoch war der Anteil der Studierenden mit 65 Prozent. Auch Carsharing-Angebote gewinnen an Bedeutung: 30 Prozent der volljährigen Einwohner*innen der Stadt München sind bei mindestens einem Carsharing-Angebot angemeldet, im Umland sind es 11 Prozent.
Zufriedenheit und Herausforderungen
Die Zufriedenheit mit dem ÖPNV ist bei den Bewohner*nnen im MVV-Gebiet höher als im Bundesdurchschnitt. 52 Prozent bewerten das Angebot als sehr gut oder gut, nur 10 Prozent urteilen mit mangelhaft oder ungenügend. 2017 fiel die Bewertung noch etwas positiver aus. Dabei ist die Zufriedenheit bei den Münchner*innen deutlich höher als im Umland.
Informationen zur Studie
Die Studie „Mobilität in Deutschland" (MiD) wurde wie bereits in den Jahren 2002, 2008 und 2017 vom infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) durchgeführt. Für die MiD 2023 wurden bundesweit zwischen Mai 2023 und Juni 2024 über 218.000 Haushalte und rund 420.000 Personen befragt. Im MVV-Gebiet haben 14.913 Haushalte mit insgesamt 29.108 Personen teilgenommen.
Weitere Informationen zur Studie unter mobilitaet-in-deutschland.de.