Bedeutung des Radverkehrs

Durch die 2008 eingerichteten Raddauerzählstellen kann die Entwicklung des Radverkehrsaufkommens in München kontinuierlich beobachtet werden. Dabei zeigt sich neben den saisonalen Schwankungen – im Sommer wird mehr Rad gefahren als im Winter – eine deutliche Zunahme gegenüber den Anfangsjahren. An den Zählstellen Erhardtstr., Hirschgarten und Olympiapark wurden im Jahr 2012 rund 1,8 Millionen Radfahrende erfasst, im Jahr 2017 bereits 2,3 Millionen und im Jahr 2025 2,8 Millionen. Das entspricht einem Zuwachs von 29 Prozent bis 2017 und 56 Prozent bis 2025, jeweils gegenüber 2012. Besonders im Jahr 2020, das wesentlich von der COVID-19-Pandemie geprägt war, hat sich dieser Trend nochmals verstärkt. Den höchsten Wert erreichte das erfasste Aufkommen im Jahr 2023 mit 3,1 Millionen; im Jahr 2025 lag es rund 10 Prozent darunter.

Radfahren liegt aus guten Gründen im Trend: Es fördert die Gesundheit, ist leise, emissionsfrei, platzsparend, kostengünstig, ermöglicht die soziale Interaktion mit anderen und ist innerstädtisch auf Strecken bis zu fünf Kilometern in der Regel auch schneller als die Fahrt mit dem Auto oder dem ÖPNV. Radfahrer*innen tun sich selbst etwas Gutes und entlasten zudem die Stadtgesellschaft. Auch deshalb ist der Radverkehr ein wesentlicher Baustein der Verkehrswende. Er wird in München nicht zuletzt seit dem Beschluss des Stadtrats 2019 zur Umsetzung der beiden Bürgerbegehren „Radentscheid München“ und „Altstadt-Radlring“ verstärkt gefördert.

Entwicklung der verunfallten Radfahrer*innen

Wie die Fußgänger*innen zählen auch die Radfahrer*innen zur Gruppe der sogenannten vulnerablen Verkehrsteilnehmer*innen. Sie stehen besonders im Fokus der Verkehrssicherheit, weil sie ein erhöhtes Risiko tragen, bei Unfällen im Straßenverkehr verletzt oder getötet zu werden. In den 16 Jahren zwischen 2010 und 2025 wurden im Münchner Straßenverkehr durchschnittlich pro Jahr rund 4 Radfahrer*innen getötet, 251 schwer und 2.149 leicht verletzt. Anders als etwa im Fußverkehr ist das Unfallaufkommen im Radverkehr während der von der COVID-19-Pandemie geprägten Jahre nicht zurückgegangen – die Entwicklung verläuft damit analog zu dem an den Dauerzählstellen erfassten Trend zu mehr Radverkehr. Es ist davon auszugehen, dass bei Radverkehrsunfällen eine erhebliche Dunkelziffer besteht: Alleinunfälle werden selten der Polizei gemeldet und sind in der polizeilichen Unfallstatistik daher deutlich unterrepräsentiert.

Seit 2018 werden in München mehr Menschen auf dem Rad als im Auto leichtverletzt: 42 Prozent aller Leichtverletzten der Jahre 2018 bis 2025 waren auf dem Rad unterwegs, 31 Prozent im Pkw. In den Jahren 2010 bis 2017 waren es noch 34 Prozent auf dem Rad und 40 Prozent im Pkw. Bei den Schwerverletzten stellen Radfahrer*innen in allen betrachteten Jahren die größte Gruppe dar; ihr Anteil stieg von 42 Prozent in den Jahren 2010 bis 2017 auf 49 Prozent in den Jahren 2018 bis 2025. Als mögliche Gründe hierfür sind der zunehmende Radverkehr und bessere Sicherungssysteme im Auto zu nennen.

Demographie der verunfallten Radfahrer*innen

Im Radverkehr verunfallen Männer, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil, deutlich häufiger als Frauen. Im Zeitraum 2010 bis 2025 wurden 21.845 Männer (57 Prozent) und 16.516 Frauen (43 Prozent) als Radfahrer*innen im Münchner Straßenverkehr getötet, schwer oder leicht verletzt. Bezieht man zusätzlich das Alter ein und vergleicht mit der Altersstruktur der Münchner Wohnbevölkerung, zeigt sich, dass einzelne Altersgruppen deutlich häufiger verunfallen als andere. Überproportional betroffen sind Männer über die gesamte Spanne von etwa 10 bis 80 Jahren, bei Frauen vor allem die Altersgruppen zwischen 20 und 30 sowie zwischen 45 und 60 Jahren. Am stärksten überrepräsentiert sind Männer zwischen 10 und 15 sowie zwischen 45 und 55 Jahren. Die in der Untersuchung „Mobilität in Deutschland“ erfassten alters- und geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Verkehrsmittelnutzung erklären dies nur teilweise. Es bleibt daher offen, ob Männer in den genannten Altersgruppen häufiger Rad fahren oder häufiger verunglücken.

Die 34.386 leichtverletzten Radfahrer*innen der Jahre 2010 bis 2025 waren im Durchschnitt 42 Jahre alt, die 4.020 Schwerverletzten 50 Jahre und die 65 Getöteten im Durchschnitt 64 Jahre. Mit zunehmendem Alter steigt somit – analog zum Fußverkehr – die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt oder getötet zu werden.

Unfälle im Radverkehr nach Monaten, Wochentagen und Stunden

Die Verteilung des Unfallgeschehens im Jahresverlauf entspricht in etwa der an den Dauerzählstellen erfassten Verteilung des Radverkehrsaufkommens. Das Unfallgeschehen im Radverkehr ist damit – anders als bei Unfällen ohne Radverkehrsbeteiligung – stark saisonal geprägt. Unfallhäufigster Monat ist der Juli mit 15 Prozent aller Radverkehrsunfälle; auf den Juli entfällt mit 14 Prozent zugleich der größte Anteil der an den Dauerzählstellen erfassten Fahrten. Auf den Januar entfallen dagegen lediglich 3 Prozent aller polizeilich erfassten Radverkehrsunfälle – bei entsprechend niedrigem Radverkehrsaufkommen.

Wie bei allen anderen Unfällen kommt es auch im Radverkehr häufiger an den Werktagen Montag bis Freitag als am Wochenende zu Unfällen. Insgesamt ereignen sich 80,5 Prozent der Radverkehrsunfälle zwischen 7 und 19 Uhr. Vor allem bei gleichzeitig hohen Verkehrsstärken von motorisierten und nicht motorisierten Verkehrsteilnehmenden erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Unfälle mit ungeschützten Verkehrsteilnehmenden.

Im Vergleich zu Unfällen ohne Radverkehrsbeteiligung ereignen sich Unfälle mit Radbeteiligung häufiger am Morgen zwischen 7 und 9 Uhr (13,2 Prozent gegenüber 10,1 Prozent) sowie am Abend zwischen 17 und 20 Uhr (23,6 Prozent gegenüber 19,9 Prozent) – also zu den klassischen Pendlerzeiten im Berufsverkehr. Dieser Umstand und die Häufung unter der Woche verdeutlichen, dass das Fahrrad in München für viele Menschen nicht nur Freizeit-, sondern vor allem Verkehrsmittel ist.

Unfallgegner*in aus Sicht des Radverkehrs

Bei Betrachtung der Unfälle mit genau zwei Beteiligten sind Personenkraftwagen die mit Abstand häufigsten Unfallgegner*innen von Radfahrer*innen: Sie sind an 82 Prozent der Unfälle mit leichtverletzten (N=21.768), an 72 Prozent der Unfälle mit schwerverletzten (N=2.117) und an 41 Prozent der Unfälle mit getöteten Radfahrer*innen (N=44) beteiligt. Unfälle mit Lastkraftwagen ziehen in der Regel schwerere Folgen nach sich: An 45 Prozent der Unfälle mit getöteten Radfahrer*innen ist ein Lastkraftwagen beteiligt, bei Schwer- und Leichtverletzten dagegen nur an 8 Prozent beziehungsweise 4 Prozent. Ähnlich verhält es sich bei Unfällen mit Tram und Bussen. Die häufigsten Unfallursachen sind Fehler abbiegender oder einbiegender Kraftfahrzeuge, deren Fahrer*innen die Vorfahrt oder den Vorrang des Radverkehrs missachten. Einen umfangreichen Forschungsbericht dazu hat die Unfallforschung der Versicherer 2013 veröffentlicht.

Konfliktkonstellationen

Während die vorhige Darstellung zeigt, gegean welchen Unfallgegner Rad-Fahrer*innen verunfallen, lässt sich das Unfallgeschehen auch danach ordnen, welche Konstellation dem Unfall zugrunde liegt. Die folgende Auswertung teilt dafür alle 38.434 Radverkehrsunfälle mit Personenschaden der Jahre 2010 bis 2025 überschneidungsfrei ein: Jeder Unfall ist genau einer Konstellation zugeordnet, die Anteile ergeben zusammen 100 Prozent. Anders als in den übrigen Abbildungen dieser Seite werden hier Unfälle gezählt und nicht verunglückte Personen.

Die häufigste Kollisionskonstellation ist der Konflikt mit einem rechts abbiegenden Kraftfahrzeug: Sie betrifft 5.224 Unfälle beziehungsweise 14 Prozent und tritt damit doppelt so häufig auf wie der Konflikt mit einem links abbiegenden Kraftfahrzeug (2.606 Unfälle, 7 Prozent). Der Unterschied erklärt sich aus der Verkehrsführung: Beim Linksabbiegen besteht der Konflikt überwiegend mit dem Gegenverkehr und damit zwischen Kraftfahrzeugen, beim Rechtsabbiegen dagegen mit dem parallel geführten, (aus Sicht der Kraftfahrzeugführer*in) von hinten rechts kommenden Radverkehr. Eine größere Klasse gibt es nur bei den Alleinunfällen (7.352 Unfälle, 19 Prozent); diese bilden jedoch gerade keine Konfliktkonstellation mit anderen Verkehrsteilnehmenden ab.

Bei Betrachtung der 4.324 Unfälle mit getöteten oder schwerverletzten Rad-Fahrer*innen verschiebt sich das Bild: Der Rechtsabbiegekonflikt liegt dort mit 371 Unfällen auf Rang 5, während Alleinunfälle mit 1.232 Unfällen (28 Prozent) noch deutlicher hervortreten. Konstellationen ohne Beteiligung eines Kraftfahrzeugs machen bei allen Unfällen 41 Prozent aus, bei den schweren Unfällen dagegen 54 Prozent. Zu berücksichtigen ist dabei die bereits genannte Dunkelziffer: Gerade Alleinunfälle werden selten polizeilich erfasst, ihr tatsächlicher Anteil dürfte daher höher liegen.

Hinweise zur Datengrundlage:
Die Auswertung des Unfallgeschehens beruht auf den Daten des Polizeipräsidiums München für die Jahre 2010 bis 2025. Die Angaben zum Radverkehrsaufkommen stammen von den Raddauerzählstellen Erhardtstr., Hirschgarten und Olympiapark; die Zählstelle Margaretenstraße wird seit 2023 baustellenbedingt nicht mehr durchgängig erfasst und bleibt daher – anders als in früheren Fassungen dieser Seite – unberücksichtigt. Die ausgewiesenen Summen sind dadurch nicht unmittelbar mit früheren Veröffentlichungen vergleichbar; die relativen Entwicklungen bleiben davon unberührt. Monate, in denen nicht alle Zählstellen durchgängig gemessen haben, bleiben unberücksichtigt; die Jahre 2016, 2022 und 2024 sind daher nur eingeschränkt mit den übrigen vergleichbar. Die Angaben zur Wohnbevölkerung stammen vom Statistischen Amt der Landeshauptstadt München.

 

Weitere Informationen:
Statistische Daten zum Thema Verkehr in München
Sicherheitsreport des Polizeipräsidiums München
Auswertung der Alleinunfälle der Fahrrad-Fahrenden
Unfallatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder