Ende 2025 waren 275.032 Münchner*innen 65 Jahre oder älter – rund 17 Prozent der Stadtbevölkerung. 94.719 von ihnen waren 80 Jahre oder älter. Diese Altersgruppe reicht von sogenannten Best Agern, die körperlich noch sehr fit sind, bis hin zu Hochbetagten über 90 Jahre. Senior*innen verunglücken anteilig deutlich häufiger zu Fuß als jüngere Menschen (siehe Fußverkehrsauswertung): 21 Prozent der verunglückten Senior*innen waren zu Fuß unterwegs, bei den Verunglückten unter 65 Jahren waren es 10 Prozent. Das liegt zum einen daran, dass viele Menschen mit zunehmendem Alter seltener Auto und Fahrrad fahren und mehr zu Fuß gehen. Zum anderen lassen im Alter häufig Seh- und Hörvermögen, Reaktionsgeschwindigkeit und Beweglichkeit nach, und die Folgen einer Kollision wiegen schwerer. Fehlen Ampel oder Zebrastreifen, ist das Überqueren einer Straße für ältere Menschen deshalb besonders riskant. Auch deshalb will die Landeshauptstadt München mehr Querungshilfen schaffen. Niedrigere Geschwindigkeiten wie Tempo 30 im Straßennetz können zudem helfen, Kollisionen mit zu Fuß Gehenden – und damit auch mit Senior*innen – zu verhindern und ihre Folgen zu mindern.
In den 16 Jahren zwischen 2010 und 2025 hat die Polizei 51.174 Unfälle erfasst, an denen Menschen ab 65 Jahren beteiligt waren: als Fahrende, zu Fuß oder als Mitfahrende. Das sind 18 Prozent aller polizeilich erfassten Unfälle.
Vor der COVID-19-Pandemie stieg die Zahl der Unfälle mit Senior*innen zwischen 2010 und 2019 um 26 Prozent, während die Zahl der Unfälle ohne Senior*innen nur um 5 Prozent stieg. Der Anteil der Unfälle mit Senior*innen an allen Unfällen stieg damit von 15,3 Prozent im Jahr 2010 auf 17,7 Prozent im Jahr 2019. In den Jahren 2020 und 2021 ging das Verkehrsgeschehen durch die pandemiebedingten Einschränkungen zurück – gerade im Kfz-Verkehr – und mit ihm die Zahl der Unfälle mit und ohne Senior*innen. Seitdem nimmt die Zahl der Unfälle mit Senior*innen wieder zu: Im Jahr 2025 erfasste die Polizei 3.580 Unfälle mit Senior*innen – so viele wie in keinem anderen Jahr seit 2010. Der Anteil der Unfälle mit Senior*innen an allen Unfällen lag 2025 bei 19,2 Prozent und damit so hoch wie in keinem anderen Jahr des Betrachtungszeitraums. Bei diesen Unfällen starben 10 Senior*innen, 120 erlitten schwere und 753 leichte Verletzungen.
Über das Jahr hinweg entspricht die Verteilung der Unfälle mit Senior*innen in etwa jener der Unfälle ohne Senior*innen: In keinem Monat weichen die Anteile um mehr als 0,5 Prozentpunkte voneinander ab. Im Vergleich zu Unfällen ohne Senior*innen ereignen sich Unfälle mit Senior*innen etwas häufiger von Montag bis Donnerstag (64,6 gegenüber 62,4 Prozent) und etwas seltener am Wochenende (19,4 gegenüber 21,5 Prozent). Am Freitag ist der Anteil nahezu gleich. Nach Uhrzeit betrachtet ereignen sich zwischen 9 und 17 Uhr 67,7 Prozent der Unfälle mit Senior*innen, aber nur 51,2 Prozent der Unfälle ohne Senior*innen. Vor 9 Uhr (7,9 gegenüber 17,9 Prozent) und ab 17 Uhr (24,4 gegenüber 30,9 Prozent) ereignen sich Unfälle mit Senior*innen entsprechend deutlich seltener. Das dürfte damit zusammenhängen, dass viele ältere Menschen nicht mehr berufstätig sind und ihre Wege seltener in den Hauptverkehrszeiten zurücklegen.
Im Zeitraum 2010 bis 2025 (16 Jahre) verunglückten im Münchner Straßenverkehr 12.719 Menschen ab 65 Jahren: 10.358 von ihnen erlitten leichte, 2.238 schwere Verletzungen, 123 starben. Mit dem Alter steigt die Schwere der Unfallfolgen: Senior*innen machen 11 Prozent der Leichtverletzten aus, aber 25 Prozent der Schwerverletzten und 48 Prozent aller Getöteten im Münchner Straßenverkehr – bei einem Anteil an der Wohnbevölkerung von rund 17 Prozent. Leicht- und schwerverletzte Senior*innen verunglücken am häufigsten auf dem Rad (43 Prozent der Leicht- und 46 Prozent der Schwerverletzten); getötete Senior*innen dagegen waren am häufigsten zu Fuß unterwegs: 65 der 123 getöteten Senior*innen (53 Prozent).
Wie stark Senior*innen von schweren Unfallfolgen betroffen sind, zeigt auch der Verlauf über die Jahre. In 8 der 16 Jahre war mindestens die Hälfte der Getöteten 65 Jahre oder älter. Der Anteil der Senior*innen an den Getöteten lag in den Jahren 2010 bis 2017 bei 41 Prozent und in den Jahren 2018 bis 2025 bei 57 Prozent. Bei den Schwerverletzten stieg der Anteil der Senior*innen zwischen beiden Zeiträumen leicht von 25 Prozent auf 26 Prozent.
Grundlage der folgenden Auswertung ist das Fehlverhalten, das die Polizei bei der Unfallaufnahme festhält – bis zu drei Unfallursachen je beteiligter Person. Betrachtet werden alle Personen, die ein Fahrzeug führen, vom Pkw über das Fahrrad bis zur Tram. Im Zeitraum 2010 bis 2025 hat die Polizei 29.786 Fahrzeugführenden ab 65 Jahren mindestens ein Fehlverhalten zugeordnet, insgesamt 31.878 Nennungen. Abgesehen von der Sammelkategorie „Andere Fehler beim Fahrzeugführer“ nennt die Polizei bei ihnen am häufigsten „Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren“ (11,5 Prozent), „Ungenügender Sicherheitsabstand“ (11,2 Prozent) und „Nichtbeachten der die Vorfahrt regelnden Verkehrszeichen“ (6,8 Prozent).
Im Vergleich zu Fahrzeugführenden zwischen 18 und 64 Jahren entfallen bei Senior*innen anteilig mehr Nennungen auf Fehler beim Wenden, Rückwärtsfahren und Einfahren (14,2 gegenüber 12,2 Prozent), dagegen weniger auf das Missachten von Vorfahrt und Vorrang (12,9 gegenüber 15,9 Prozent), Fehler beim Abbiegen (9,7 gegenüber 11,4 Prozent), nicht angepasste Geschwindigkeit (0,9 gegenüber 2,5 Prozent) und eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit, etwa durch Alkohol oder Übermüdung (2,8 gegenüber 4,4 Prozent). Dasselbe Muster zeigt sich, wenn man nur Pkw-Fahrende betrachtet; die Unterschiede gehen also nicht allein darauf zurück, dass Senior*innen andere Fahrzeuge nutzen als Jüngere. Auf die Sammelkategorie „Andere Fehler beim Fahrzeugführer“ entfallen bei Senior*innen 35,9 Prozent der Nennungen, bei den 18- bis 64-Jährigen 27,5 Prozent; die Verteilung der übrigen Ursachen ist daher mit Vorsicht zu interpretieren. Die Auswertung zeigt, welches Fehlverhalten die Polizei festgestellt hat – sie sagt nichts darüber aus, wie häufig ältere Menschen im Verhältnis zu ihren zurückgelegten Wegen Unfälle verursachen.
Im Vergleich zu ihrem Anteil an der Münchner Wohnbevölkerung ab 65 Jahren (Stand 31.12.2025) verunglücken Senior*innen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren überproportional häufig. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Mobilität: Ab 81 Jahren verunglücken Senior*innen über alle Verkehrsmittel hinweg seltener, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspräche. Nach Verkehrsmitteln zeigen sich Unterschiede: Auf dem Rad verunglücken vor allem Senior*innen zwischen 65 und 80 Jahren überproportional häufig, zu Fuß dagegen Senior*innen zwischen 74 und 84 Jahren. Entsprechend sind auf dem Rad verunglückte Senior*innen im Durchschnitt 74 Jahre alt, zu Fuß verunglückte 77 Jahre.
Unter den verunglückten Senior*innen halten sich Frauen und Männer in etwa die Waage (50,3 zu 49,7 Prozent). Bei einem Frauenanteil von 57 Prozent an der Wohnbevölkerung ab 65 Jahren verunglücken Seniorinnen damit seltener und Senioren häufiger, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspräche. Auch hier unterscheiden sich die Verkehrsmittel: Auf dem Rad verunglücken deutlich häufiger Senioren (56 zu 44 Prozent), im Pkw etwas häufiger Seniorinnen (52 zu 48 Prozent) und zu Fuß deutlich häufiger Seniorinnen (64 zu 36 Prozent).