Rund 300 Anwohnende, Gewerbetreibende und weitere Interessierte sind gestern auf Einladung des Mobilitätsreferats und des Bezirksausschusses 5 (Au-Haidhausen) zusammengekommen, um sich über die Evaluationsergebnisse der Testphase der Fußgängerzone in der Weißenburger Straße zu informieren.
Bürgermeister Dominik Krause: „Eine große Mehrheit der Anwohner*innen und Passant*innen befürwortet eine Fußgängerzone in der Weißenburger Straße – sofern diese attraktiv gestaltet ist. Auch von den Gewerbetreibenden gibt es ein klares Votum für eine Veränderung. Das zeigt: Die Menschen rund um die Weißenburger Straße wünschen sich mehr Aufenthaltsqualität und Verkehrsberuhigung in ihrem Viertel. Sie wollen aber keinen Schnellschuss, sondern eine Gestaltung mit Hand und Fuß. Ich wünsche mir eine Lösung, die alle Interessen berücksichtigt. Denn Stadtgestaltung kann nur in einem guten Miteinander funktionieren.“
Mobilitätsreferent Georg Dunkel: „Die Testphase der Fußgängerzone in der Weißenburger Straße war heiß diskutiert – was nachvollziehbar ist, weil sich eine solche Änderung auf viele Menschen ausgewirkt hat. Während der Testphase hat sich einerseits bürgerschaftliches Engagement gezeigt, andererseits gab es bei manchen auch Unzufriedenheit. Am Ende waren sich aber die meisten einig, dass es eine Veränderung braucht. Auf dieser Einigkeit sollten wir aufbauen und gemeinsam die Zukunft der Weißenburger Straße gestalten.“
Vor und während der Testphase wurden Verkehrszählungen im betroffenen Straßenabschnitt zwischen dem Weißenburger und dem Pariser Platz und im umliegenden Straßennetz sowie Parkraumerhebungen im gesamten Lizenzgebiet Franzosenviertel durchgeführt. Die Zahlen zeigen, ob und wie sich die Fußgängerzone auf den Kfz-, Fuß-, Rad- und Lieferverkehr ausgewirkt hat. Daneben wurden Anwohnende, Gewerbetreibende und Passant*innen befragt. Außerdem floss das Feedback aus Informationsveranstaltungen, Bürgersprechstunden oder Mails in die Bewertung ein. Eine deutliche Mehrheit der Befragten über alle Nutzergruppen hinweg wünscht sich grundsätzlich eine Veränderung der Weißenburger Straße.

Verkehrszahlen
Während der Testphase der Fußgängerzone nahm der Fußverkehr um rund 12 Prozent zu, blieb mit 91 Prozent allerdings überwiegend auf den Gehwegen. Der Kfz-Verkehr ging um rund 85 Prozent zurück, die verbleibenden etwa 15 Prozent waren vor allem auf Lieferverkehre und verstärkte Grundstückszufahrten mangels Parkmöglichkeiten am Straßenrand zurückzuführen. Der Parkdruck nahm zu, da im Bereich der Fußgängerzone keine Parkmöglichkeiten bestanden. Der Kfz-Verkehr verlagerte sich vor allem in die nächstgelegenen Umfahrungsmöglichkeiten, etwa in die Lothringer Straße westlich der Pariser Straße, gleichzeitig waren in anderen Straßenabschnitten, wie der Weißenburger Straße östlich des Pariser Platzes, etwas weniger Kfz unterwegs.
Für den Radverkehr war die Fußgängerzone während der Testphase in Schrittgeschwindigkeit freigegeben, dementsprechend waren rund 18 Prozent mehr Radler*innen als vorher dort unterwegs. Die Befragungen ergaben, dass grundsätzlich Einverständnis mit dem Radverkehr in der Fußgängerzone bestand, es jedoch auch Probleme bei der Einhaltung der Regeln – zum Beispiel dem Fahren in Schrittgeschwindigkeit – gab.
Lieferungen waren während der Testphase zeitlich eingeschränkt möglich, mit einer gesonderten Erlaubnis konnte aber auch außerhalb der Lieferzeiten in die Fußgängerzone eingefahren werden. Etwa 41 Prozent der Liefervorgänge fanden außerhalb der Lieferzeit statt.
Einkaufsstandort „Weißenburger Straße“
Bei der Befragung der Passant*innen wurde als Besuchsgrund hauptsächlich „Einkaufen“ genannt, etwa 11,6 Prozent häufiger als vor der Testphase. Auch bei den Anwohnenden war „Einkaufen“ der Hauptbesuchsgrund, allerdings mit einem leichten Rückgang um 3,5 Prozent gegenüber der Zeit vor der Testphase.
Von den Gewerbetreibenden, deren Läden im Abschnitt der Fußgängerzone liegen, nahmen knapp die Hälfte an der Befragung teil. Davon gab wiederum etwa die Hälfte an, dass es seit dem Beginn der Testphase hinsichtlich der Kundenfrequentierung sowie hinsichtlich des Umsatzes zu keinen oder positiven Entwicklungen gekommen sei. Die andere Hälfte gab eine Verschlechterung an. Zudem sorgten sie sich um die Erreichbarkeit ihrer Geschäfte für die Kundschaft.
Aufenthaltsqualität
„Verweilen“ als Zweck des Aufenthalts im Abschnitt der Fußgängerzone hat sich während der Testphase mehr als verdreifacht beziehungsweise verfünffacht – von zuvor etwa 9 Prozent auf 28,8 Prozent unter den befragten Anwohnenden, von 7,2 Prozent auf 37,6 Prozent bei den Passant*innen. Zudem zeigte sich während der Testphase eine große Einsatzbereitschaft der Bürgerschaft für die Aufwertung des Straßenraums. Die temporäre Umgestaltung des Straßenabschnitts lud nur bedingt dazu ein, auf der Fahrbahn zu laufen – mehrfach wurde der Wunsch nach einer wertigen, umfassenderen Ausstattung geäußert.
Nach der Vorstellung der Ergebnisse kamen noch einmal alle Beteiligte – Mobilitätsreferent Georg Dunkel, der Bezirksausschuss sowie Vertreter*innen der Bürgerinitiative, Anwohnende und Gewerbetreibende – bei einer Diskussion zu Wort.
Die vorgestellten Ergebnisse und das zusätzlich in der Informationsveranstaltung gesammelte Feedback fließen in die Beschlussfassung ein, die Mitte des Jahres den politischen Gremien vorgelegt werden soll.